Weiterbildung zum Techniker: Interview mit einem Fernschüler

Christian, abgelegt unter TechnikerInterview am  

Staatlich geprüfter Techniker ist eine gesetztlich geschützte Berufsbezeichnung, die im Rahmen einer mehrjährigen Ausbildung erworben werden kann. Diese Ausbildung kann auch in Form von Fernunterricht bzw. Fernstudium absolviert werden. Viele Fernschulen bieten entsprechende Kurse an, die auf die staatlichen Prüfungen vorbereiten. Um Interessierten diese Möglichkeit näher zu bringen, habe ich ein kleines Interview mit einem Techniker-Fernschüler geführt.

Stell Dich unseren Lesern doch einfach mal kurz vor, wie heißt Du, wie alt bist Du und was arbeitest Du?
Mein Vorname ist Marcus, mit Nachnamen heiße ich Schweizer. Momentan bin ich 27 Jahre, aber das ändert sich ja mit der Zeit! .-) Ich arbeite als Online-Redakteur, ich schreibe also Texte überwiegend fürs Internet.

Du absolvierst ein Fernstudium zum Staatlich geprüften Techniker. Wie kam es dazu?
Bevor ich mit der freiberuflichen Tätigkeit als Online-Redakteur angefangen habe, war ich in dem einst erlernten Beruf als Mechaniker tätig. Die Entwicklungen der letzten Jahre, vor allem der Einfluss der Zeitarbeit, bewogen mich dann dazu einen höheren Abschluss in dem Industrieberuf zu haben. Es ist im Grunde eine lange Geschichte, bei der ich gemerkt hab, was Zeugnisse ausmachen.
Als Zerspanungsmechaniker war für mich die Physik, die hinter all den Vorgängen steckte, sehr interessant. Aber auch die Arbeitsorganisation und die Produktionsabläufe interessierten mich. Was ich bekam, trotz einem Abschluss mit einer eins vor dem Komma, waren minderwertige Arbeiten, die man Jedem innerhalb weniger Stunden hätte beibringen können. Zum Teil hab ich sogar Rost von Hand abgeschliffen! Über Hierarchie, den Umgangston und Methoden von manchen Vorgesetzten und Zeitarbeitsvermittlern erzähl ich aus Anstand nichts, habs aber zu Recht mal erwähnt. Das wird nämlich so gern tot geschwiegen.
Den Techniker mache ich jedenfalls gerade deswegen, um nicht wieder als Maschinenbediener oder Handlanger arbeiten zu müssen.

Und warum gerade Fernstudium, und nicht Präsenzunterricht?
Ja lustigerweise habe ich mich ursprünglich zu Vollzeitunterricht angemeldet, wurde aber wegen Überfüllung nicht genommen. War also zu spät dran, obwohl ich mich schon im November, fast 10 Monate vor Schulbeginn, anmelden wollte. Bei der DAA war das aber dann völlig unkompliziert. Im Nachhinein stellt sich das jetzt als Vorteil heraus, weil die DAA sehr flexibel ist. Bei der Vollzeitmaßnahme wäre es wohl militärischer zugegangen.

Eine Ausbildung zum staatliche geprüften Techniker wird an vielen Fernschulen angeboten. Für welche Fernschule hast Du Dich entschieden und warum?
Ich bin zur DAA-Technikum Essen gegangen, weil ich Bekannte habe die da sehr zufrieden sind. Die Bedingungen dort fand ich sehr gut, vor allem was Prüfungen betrifft und den örtlichen Anwesenheitszeiten. Insgesamt war das alles ok für mich und habe keine großen Vergleiche zwischen den Anbietern betrieben.

Die Regelstudiendauer am DAA-Technikum für den Techniker beträgt ganze 42 Monate. In welcher Phase befindest Du Dich gerade?

Im dritten Semester. 30 Monate stehen also noch an. Das ist genau der Punkt, an dem die fachlichen Unterrichte beginnen und die allgemeinbildenden Inhalte enden.

Das DAA-Technikum führt seine Fernkurse nach der selbst entwickelten „Dualmethode“ durch. Was bedeutet das für Dich als Fernstudent in der Praxis?
Praxis ist ein gutes Stichwort. Es ist eine Mischung aus selbstverantwortlichem Lernen und angeleiteten Übungen. Dadurch, dass ich mich vorab schon selbst mit den Inhalten auseinandersetzen kann und dann in den Unterrichten erfahrene Leute fragen kann wird vor allem eigenständiges Vorankommen gefördert. In Schulen werden die Themen gleich allgemein besprochen, ohne dass man meist die Chance hat zu sehen, inwieweit man selbst kommt. Das halte ich für einen sehr großen Nachteil, da man seine eigenen Fähigkeiten gar nicht entwickeln kann, Lernstrategien ausbauen usw., sondern ein allgemeines Gewäsch vorgesetzt bekommt, aus dem man den ein oder anderen Wissensteil dann mal heraus pickt. Mit eben der Möglichkeit, selbst vorher zu testen, wo die eigenen Fehler liegen, entwickeln sich Strategien zur „Stoffbekämpfung“ und eigene Erfahrungen. Ich kann mich verbessern und Fragen wenn ich wirklich selbst nicht weiter komme.

Damit ist also kein so genanntes Duales Studium gemeint, bei dem Studium und Ausbildung vereint werden?

Im Prinzip läuft es genauso ab. Beim dualen Studium arbeitet man abwechselnd im Betrieb und ist dann an der Hochschule. So ähnlich ist es auch beim Techniker. Man erschließt sich die Themen vor allem im sogenannten häuslichen Studium und besucht am Wochenende Unterrichte. Diese wechseln sich auch mit Aufenthalten an Zentren wie Würzburg ab, wo eben die Geräte und Maschinen, beispielsweise für Automatisierungstechnik, sind. Dort kann man die Theorie in die Praxis umsetzen und hat auch erfahrene Lehrkräfte, die bei Fragen Rede und Antwort stehen. Ich kann das nicht für das duale Studium einschätzen, denke aber, dass ein großer Unterschied darin besteht, dass in den Betrieben nicht so sehr wie beim Techniker auf die direkte praktische Umsetzung des theoretisch Gelernten statt findet.

Wie beurteilst Du die Studienmaterialien des DAA-Technikums?
Beim ersten Anblick fand ich sie ehrlich gesagt ziemlich billig und einfach hergestellt. Ich kenne ja Materialien von anderen Instituten und Hochschulen, der Vergleich fällt vernichtend für das DAA aus! :-)
Inhaltlich aber überzeugt es zwar, wobei ich mich aber zum Beispiel an Begriffe wie „Arbeitskraft“ gewöhnen musste. Ich sah bisher den Menschen, nicht die Arbeitskraft und hoffe, auch weiterhin den Mensch zu sehen. Es ist eben sehr technisch!
Davon abgesehen sind die Erklärungen aber sehr gut gemacht, die Inhalte werden fließend und stimmig rüber gebracht.

Die Gebühr für das Fernstudium liegt derzeit bei 112 EUR monatlich. Wie finanzierst Du Dein Fernstudium?

Durch meine Tätigkeit als Online-Redakteur. Zu den 112 Euro muss man aber noch die Fahrtkosten für den Samstagsunterricht, also Monatsfahrkarte sowie auch Unterkunfts- und Fahrtkosten bei Seminaren in den Zentren dazu rechnen.

Fortbildungen zum Staatlich geprüften Techniker können per Meister-BAföG gefördert werden. Hast Du einen Antrag gestellt oder bist Du nicht berechtigt?
Meister-Bafög kann jeder stellen, unabhängig vom Einkommen. Ich hab das dennoch nicht gemacht, weil man nach der Ausbildung Schulden angehäuft hat. Wenn die Beträge so bezahlt werden können, wärs unsinnig. Wer Förderung bekommt, hat nach der Ausbildung gut 6000 Euro Schulden. Wenn man dann keinen Job findet oder mit dem gemachten Fachabi studieren geht, hat man so nen Schuldenberg, um den man sich kümmern muss. Ich denk, dass 112 Euro jeder irgendwie zusammen kratzen kann, man muss halt auf anderes dann verzichten.

Meister-BAföG wird aber 69,5 % als Darlehen, zu 30,5 % als Zuschuss bezahlt. Das Darlehen muss man nicht in Anspruch nehmen. Hast Du das übersehen?
Danke für den Hinweis, ich hab das bisher nur mit der Gesamtpackung wahrgenommen.
Vielleicht auch deswegen, weil es für mich damals nur auf die Art in Frage gekommen wäre.

Hast Du Dich vor dem Fernstudium über andere Fördermöglichkeiten wie die Bildungsprämie oder Steuerersparnisse informiert?
Informiert habe ich mich ja. Es gäbe noch die Möglichkeit der Begabtenförderung, wenn man einen Berufsabschluss mit glaube 1,8 oder besser gemacht hat. Das wäre bei mir jetzt zwar der Fall gewesen, aber ob ich tatsächlich was bekomme, weiß ich nicht, wäre glaub nur bis zum 25. Lebensjahr gewesen.

Was motiviert Dich dazu, die ganzen 42 Monate durchzuhalten und den Abschluss zum Techniker zu machen?
Ehrlich gesagt nichts. Dadurch, dass ich andere Möglichkeiten präferiere und anvisiere, lass ich es offen ob ich den Abschluss auch tatsächlich mache. Je mehr man investiert an Zeit und Geld, umso wahrscheinlicher ist es natürlich an dem Ziel festzuhalten. Aber letztlich würde ich bei anderen Möglichkeiten das Ziel fallen lassen. Konkret gibt es nämlich gerade ein paar Überlegungen, aber nichts Konkretes.

Was machst Du nach dem Techniker-Fernstudium mit Deinem Abschluss?
Höchstwahrscheinlich nichts!
Der Abschluss ist momentan nur eine Absicherung gegen Totalschaden, sprich wenn meine Tätigkeit als Online-Redakteur nicht funktionieren will und dazu dann noch mein Fernstudium an der OU nicht funktioniert, dass beides nichts wird kann ich mir aber nicht vorstellen!
Wenn ich ihn fertig mache, häng ich ihn mir glaub an die Wand neben meinem Bauerndiplom im Schach! :-)

Marcus, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Deinem Studium. Wenn Du es geschafft hast, werde ich Dich sicher noch einmal befragen :)

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